Warum üben uns tatsächlich besser macht

Latest Posts  •   13. März 2017

“Wie man effektiv übt … und zwar fast alles” ist der (von mir frei übersetzte) Titel dieses TED Ed Videos von Annie Bosler und Don Greene, welches ich sehr empfehlen kann.

Bosler und Greens Ratschlag bezieht sich auf alles, was wir üben wollen – beispielsweise Musik oder Sport – und ist nicht unbedingt neu (ich habe schon hierhier und hier darüber geschrieben). Aber zu sehen, was im Gehirn geschieht, wenn wir üben, hilft uns zu begreifen, warum es uns tatsächlich besser macht. Und das kann man in dieser Animation.

“Das Beherrschen jeder körperlichen Fähigkeiten braucht Übung. Üben [oder Trainieren] ist die Wiederholung einer Tätigkeit mit dem Ziel der Verbesserung, und es hilft uns, mit mehr Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Vertrauen zu agieren. Aber was genau passiert beim Üben, sodass wir besser werden?” (Frei von mir übersetzt.)

Kurz gesagt: Jede menschliche Bewegung beginnt im Gehirn. Wenn wir eine bestimmte Bewegung ausführen wollen, geben wir unserem Gehirn die Weisung und dieses veranlasst alles weitere ohne unser Zutun. Über besondere Nervenfasern, sogenannte Axone, leitet es die Information an die Muskeln weiter, die die Bewegung dann ausführen.

Die Axone in unserem Gehirn sind mit einer Neuromembran namens Myelin umhüllt. Myelin wirkt wie die Isolierung eines elektrischen Kabels und sorgt im Gehirn dafür, dass sich ein Signal nicht verliert, sondern im Gegenteil verstärkt und beschleunigt wird.

Wenn wir also unser Instrument üben und dabei bestimmte Bewegungen immer wieder wiederholen, entwickeln und optimieren wir in Wahrheit Schaltkreise in unserem Gehirn und sorgen dafür, dass mehr Myelin gebildet wird. Und erst dadurch gelingt es unseren Muskeln dann, immer schneller und präziser zu reagieren – bis uns die neue Bewegung in Fleisch und Blut übergegangen ist und wir sie ganz automatisch ausführen können.

Im Prinzip ist der Schaltkreis die Bewegung! Und Myelin schafft eine Art Super-Autobahn, auf der die Informationen möglichst schnell und präzise von unserem Gehirn zu unseren Muskeln gelangen kann.

Und obwohl viele Athleten und Musiker das Muskelgedächtnis für ihren Erfolg verantwortlich machen, haben die Muskeln selbst eigentlich kein Gedächtnis. Vielmehr ist es die Myelinisierung der entsprechenden Gehirnzellen, die dafür sorgt, dass diese Top-Performer immer schneller und besser werden.

Hier sind einige von Annie Bosler und Don Greens Tipps für ein effektives Üben:

  • Konzentrieren Sie sich voll auf die Aufgabe.
    Schalten Sie Ihren Computer, TV und Handy aus. (In einer Studie wurde 260 Studenten beim lernen beobachtet. Im Durchschnitt konnten sich diese für nur sechs Minuten am Stück konzentrieren, bevor sie von ihren Laptops, Smartphones und vor allem Facebook abgelenkt wurden.)

  • Beginnen Sie langsam, üben Sie in Zeitlupe.
    Koordination baut sich mit Wiederholungen auf – auch mit den falschen. Achten Sie darauf, nur die richtigen Bewegungen zu üben. Spielen Sie zunächst langsam, erhöhen Sie das Tempo dann schrittweise aber achten Sie darauf, dass Sie dabei immer noch präzise spielen können.

  • Wiederholen Sie häufig und planen Sie Pausen ein.
    Teilen Sie Ihre Übungszeiten in kleine, hochfokussierte Abschnitte ein, die sie häufig, am besten mehrmals am Tag, wiederholen.

  • Visualisieren Sie Ihre nächste Übungseinheit in lebendigem Detail (ohne wirklich zu spielen). Sobald eine körperliche Bewegung etabliert wurde, kann sie allein durch die Vorstellung verstärkt werden. Schaffen Sie sich ein lebhaftes Bild!

Und hier noch ein Tipp von uns:

Sie müssen nicht immer 100% geben. Achten Sie darauf, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Beim Üben ist es vor allem wichtig, dass Sie Freude am Spielen haben und es gerne tun.

2020-04-27T10:31:30+00:00März 13th, 2017|

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