Warum Montessori-Pädagogik noch immer aktuell ist

Latest Posts  •  14. Dezember 2020

Mit der Reformpädagogik Maria Montessoris kam ich das erste Mal in den 1990er Jahren in Berührung, als meine eigene Tochter im Kindergartenalter war. Die Leitgedanken Montessoris haben mich sofort überzeugt und fanden unter anderem Eingang in mein Buch In jedem steckt ein Musiker (inzwischen unter dem Titel Was Eltern über die Entwicklung ihres Kindes lernen sollten erhältlich).

2020 hat sich Maria Montessoris Geburtstag zum 150. Mal gejährt. Und noch immer hat ihr pädagogischer Ansatz nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Ich zeige heute drei Gründe auf, warum und wie wir heute noch immer von der Montessori Pädagogik profitieren können und warum Montessoris Grundsätze nicht nur für kleine Kinder geeignet sind.

 

1. Selbständigkeit kommt nie aus der Mode

“Hilf mir, es selbst zu tun”: Für Maria Montessori stand das selbstbestimmte Lernen und Selbständigkeit der Kinder im Mittelpunkt. Kinder sollen gezeigt bekommen, wie etwas geht. Sie sollen selbst erfahren und ausprobieren und nicht unnötigerweise Dinge abgenommen bekommen. Raus mit den Kindern aus der Komfortzone, in der sie kaum etwas selber tun dürfen und so viel langsamer oder im schlimmsten Fall gar nicht den Weg in die Selbständigkeit gehen können. Das Kind wird und darf Fehler machen, es wird diese erkennen und korrigieren, ohne dass ein Erwachsener sofort eingreift.

Gerade im Jahr der Corona-Krise ist deutlich zu sehen, wie wichtig es schon für sehr junge Kinder sein kann, sich selbst zu beschäftigen und altersentsprechend selbstwirksam zu sein. Und auch bei Schulkindern im Homeschooling, Jugendlichen und nicht zuletzt bei Erwachsenen im Homeoffice zeigt sich mehr denn je, wer gelernt hat, selbständig zu lernen, Probleme zu lösen und sich selbständig zu organisieren.
Der Weg zur Selbständigkeit ist ein gutes Stück Arbeit und fordert Geduld von allen Beteiligten. Doch es lohnt sich für Kinder und Eltern, diesen Weg zu gehen.

Tipp: Für ältere Kinder und Jugendliche sind beim Erlangen der Selbständigkeit natürlich noch einmal andere Kompetenzen gefragt, als bei kleineren Kindern. Doch letztendlich hilft es auch hier, nicht einfach Lösungen vorzugeben, sondern stattdessen zur eigenständigen Problemlösung anzuregen.

 

2. Montessori passt auch ins digitale Zeitalter

Entgegen manch einer Klischeevorstellung steht die Montessori-Pädagogik nicht im Widerspruch zu Technik und Digitalisierung. Maria Montessori selbst war technischen Errungenschaften gegenüber aufgeschlossen. Und ihre Äußerungen zum Thema technische Medien, könnten aktueller kaum sein:

„Die Idee, den Erwerb von Bildungsinhalten durch technische Medien zu unterstützen, ist in heutiger Zeit derart dringend geboten […]. Ebenso würden die projizierten Bilder und Filme von Spezialisten entwickelt werden, die es als ihre Aufgabe sehen, die Vielzahl von Bildungsinhalten auf eine klare und spannende Weise für Kinder aufzuarbeiten.”

Es ist eine Grundidee der Montessori-Pädagogik, dass Lernende eigenständig verstehen sollen, wie die Dinge genau funktionieren. Sie sollen forschen, nachfragen, weiterdenken – die digitale Welt bietet Lehrenden und Lernenden hierfür zahllose Möglichkeiten. Auf diese Weise werden Medien nicht zur Ablenkung, sondern nach ihrer ursprünglichen Sinne – der Wissensvermittlung – genutzt.

 

3. Weniger ist mehr 

Nicht umsonst kann man einen Trend zum Minimalismus beobachten. In einer Welt, in der wir permanent mit Informationen überhäuft werden, in der ständig versucht wird uns einzureden, dass wir dieses und jenes unbedingt für ein besseres Leben brauchen, fühlen sich viele Menschen überfordert.

Im Sinne der Montessori-Pädagogik heißt es: Fünf bis sechs verschiedene Spielzeuge zur Auswahl reichen. Diese sind altersgerecht und interessieren das Kind gerade besonders. Sie werden regelmäßig ausgetauscht. Keine Sorge, das Kind wird sich so nicht schneller langweilen. Im Gegenteil, es wird nicht überfordert von einer zu großen Auswahl. 

Das Prinzip kann man auch auf Jugendliche und Erwachsene anwenden: Hier das Smartphone, das uns ständig mit neuen Nachrichten zuschüttet, nebenher wird die neueste Serie gestreamt und schon verlernen wir, uns einfach einmal ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Wir wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, im Flow zu sein, sich einer Tätigkeit ganz und gar zu widmen. Also einfach einmal “ausmisten” und digital und analog auf ‘weniger ist mehr’ setzen für einen klaren Kopf.

2020-12-14T13:26:25+00:00Dezember 14th, 2020|

Ein Kommentar

  1. Tina Dezember 16, 2020 um 8:20 am Uhr - Antworten

    Hallo Hans Peter Becker Blog

    Ich habe heute mit Freude den neuen und ein paar ältere Artikel gelesen. Obwohl ich keine Kinder habe, fasziniert mich der Bezug zwischen innerem Kind bleiben und Erwachsener sein.

    Auch Weihnachtslieder singen ist dieses Jahr das erste Mal das es mir so richtig Spaß machen würde… Hin und wieder kommt auch mal ein Klassiker 🙂

    Seit einigen Monaten nutze ich das 6 Minuten Tagebuch und baue mir eine Morgenroutine auf. Zurzeit meditiere ich 10 Minuten und mache ca 5 Minuten Yogastreching und 1 Minute Planks. In das Buch zu schreiben bringt mir täglich neuen Fokus und hilft mir nicht nur dankbar sondern auch gesunde Selbstkritik zu entwickeln.

    Des Weiteren kommt seit kurzem auch das Thema Klarträumen hinzu. Ich hatte schnell Erfolge und bin mir sicher das das mit meiner Motivation stark zusammen hängt. Besonders fürs Songtexte Schreiben werde ich mir dieses Tool zu Gute kommen lassen. Ich mag es surreal zu träumen.. .

    Ich hoffe sehr das die Weiterentwicklung auf online Ebene effektiv und umfassend stattfindet. Besonders Social Media. Eine Verknüpfung zu Labels oder Bühnenpräsenz könnte den Unterschied machen.

    Ganz liebe Grüße aus Köln
    Tina Richartz

Hinterlasse einen Kommentar