Sprachförderung durch Musik

Latest Posts  •  28. September 2021

Musik und Sprache haben einiges gemeinsam. Merkmale wie Tonhöhe, Tempo, Betonung und Klangfarbe spielen beim Sprechen und beim Musik machen gleichermaßen eine Rolle. Tatsächlich werden musikalische und sprachliche Reize sogar in denselben Hirnregionen verarbeitet. Und Kinder entwickeln die Fähigkeit zum Singen und zum Sprechen zur gleichen Zeit. Kein Wunder, dass musikalische Sprachförderung so erfolgreich eingesetzt wird. Aber wie genau funktioniert die Sprachförderung durch Musik?

Für eine altersgerechte Sprachentwicklung kann sich bei allen Kindern bereits eine gute Musikalische Früherziehung positiv auswirken. Das beobachten wir in unseren Kling-Klong-Kursen jeden Tag. Eine gezielte musikalische Sprachförderung wird dann eher bei älteren Kindern eingesetzt, die in ihrer sprachlichen Entwicklung aufholbare Defizite aufweisen.

Der Unterschied zur Sprach- und Musiktherapie

Eine Therapie wird gegen konkrete Sprachstörungen wie eine Zischlautstörung oder Stottern eingesetzt. Sprachstörungen dieser Art sollten in Absprache mit einem Kinderarzt logopädisch behandelt werden. Eine Sprachtherapie kommt demnach zum Tragen, wenn eine Störung ausgeglichen werden soll.
Eine Sprachförderung kann hingegen schon prophylaktisch eingesetzt werden. 

Diese Bereiche beeinflusst die musikalische Sprachförderung

Das Singen und Musik machen wie es bei der Musikalischen Früherziehung mit jüngeren Kindern stattfindet, fördert unter anderem das phonologische Bewusstsein durch ein spielerisches Erlernen von Lauten, Silben und Reimen. Ein gutes Gefühl für Laute und Silben ist später vor allem beim Lernen von Lesen und Schreiben wichtig. Darüber hinaus erweitert und verbessert Singen den Wortschatz. Durch eingängige Rhythmen und Reime bleiben neue Wörter leichter im Kopf und werden schneller verinnerlicht. 

Wenn ältere Kinder – etwa ab Grundschulalter – beginnen ein Instrument zu lernen, kann auch das Musiktraining für ein verbessertes Sprachgefühl sorgen.

Übrigens: An der Verarbeitung von Musik und Sprache sind beide Hirnhälften beteiligt. Sprache als sprachliche Grammatik und Struktur wird überwiegend in der linken Gehirnhälfte verarbeitet. Die Sprachmelodie und der Sprachrhythmus hingegen werden eher in der rechten Hirnhälfte verarbeitet. Die Sprachmelodie ist sozusagen die “Sprachmusik”.

Musik und Sprache werden in denselben Hirnregionen verarbeitet. So kommt es, dass zum Beispiel Rhythmusübungen beim Schlagzeugunterricht ganz nebenbei auch das Gefühl für den Sprachrhythmus verbessern.  

Was sonst noch wichtig ist

Hören wir Musik oder Sprache, dann nimmt unser Gehirn zunächst den Sprachfluss, die Prosodie bzw. die Melodie wahr. Dazu gehören Dauer, Höhe der Töne, Intensität, Dynamik und Betonung. Erst im Anschluss findet eine strukturierte und analytische Verarbeitung des Gehörten statt. 

Da die prosodischen Sprachelemente den linguistischen sozusagen übergeordnet bzw. vorgeordnet sind, sollte sich eine musikalische Sprachförderung zunächst auf diese Elemente konzentrieren. Eine gute Musikalische Früherziehung geht darauf ganz nebenbei ein, weil sie dafür sorgt, dass Musik ganzheitlich erfasst wird. Zunächst stur ein Instrument vorzustellen oder gar mit dem Lernen von Noten zu beginnen, wäre dabei abträglich.

Wichtig im Sinne der Sprachförderung sind hingegen zunächst:

  • Singen und Hören von Liedern, Tönen, Silben und Melodien – gerne mit spielerischen Experimenten wie unterschiedlichen Betonungen
  • Heraushören und Darstellen unterschiedlicher Tonhöhen
  • Das Entdecken verschiedener musikalischer Stile
  • Musik mal schnell, mal langsam, mal laut mal leise erleben
  • spielerisch mit Rhythmen experimentieren
  • Harmonien und Dissonanzen wahrnehmen
  • Geschichten verklanglichen
  • Malen zur Musik
  • Bewegung zur Musik

Erst deutlich später sollte die zweite, die linguistische Ebene beispielsweise durch das Erlernen von Noten musikalisch gefördert werden.

Zu guter Letzt möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen: Jeder Mensch ist musikalisch. So wie wir ganz selbstverständlich Sprechen lernen, so können wir ganz selbstverständlich Musizieren. Die Gemeinsamkeiten zwischen sprachlicher und musikalischer Entwicklung zeigen es.

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2021-09-28T15:15:57+00:00September 28th, 2021|

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