Musik & Bindung

Latest Posts • 31. Mai 2021

Musik beruhigt, Musik regt an und Musik verbindet. Der Hörsinn ist der erste Sinn, der im Mutterleib ausgeprägt wird. Die Stimmen von Eltern und Geschwistern vermitteln Geborgenheit und der Herzschlag der Mutter ist der Rhythmus des beginnenden Lebens. Diese Geräusche fördern zudem unsere Entwicklung, insbesondere die Entwicklung des Gehirns. Und auch nach der Geburt spielen die Geräusche, die uns umgeben, nicht zuletzt in Form von Musik, eine wichtige Rolle.

Wie Musikalität Bindungen stärkt und das Leben bereichert

Musikalische Erfahrungen bereichern das Leben unserer Kinder ab den ersten Hörerfahrungen im Mutterleib. Wer mit und für sein Kind singt und spricht fördert die Bindung und reduziert Stress und Ängste. Mit unserer Stimme können wir Säuglinge beruhigen oder aktivieren. Musik hilft bei der Regulation von Emotionen.

Babys, die nicht vor Hunger oder der vollen Windel wegen schreien, lassen sich häufig durch Gesang beruhigen. Das Baby lauscht aufmerksam, der kleine Körper entspannt sich, die Augenlider schließen sich langsam aber sicher. Und auch bei den Eltern tritt schon mit den ersten Tönen des eigenen Gesangs ein Entspannungseffekt ein. Dabei ist ganz egal, ob der Sänger jeden Ton trifft oder auch einmal daneben liegt. Wie in meinem Buch Was Eltern über die Entwicklung ihres Kindes lernen sollten kann ich Eltern nur immer wieder dazu ermutigen, mit und für ihre Kinder zu singen, auch wenn sie sich selbst nicht als gute Sänger sehen. Die Kinder werden es trotzdem lieben. Darüber hinaus ist es wichtig, das gemeinsame Singen und das füreinander Singen auch mit zunehmendem Alter der Kinder beizubehalten. Viele Eltern singen für ihre Kinder im Säuglingsalter und auch noch ein wenig im Kleinkindalter und dann irgendwann gar nicht mehr. Dabei kann gerade das gemeinsame Singen eine wunderbare Verbindung schaffen. Also ruhig mal auf der nächsten Autofahrt den Lieblingssong aufdrehen und mit der ganzen Familie laut mitsingen.

Übrigens spielt es für Säuglinge und den beruhigenden Effekt des Gesangs auch keine Rolle, ob in der vertrauten Muttersprache oder in einer fremden Sprache gesungen wird.

Im Rahmen eines Versuchs an der Universität Montreal stellten Wissenschaftler fest, dass ein Kinderlied Babys für einen längeren Zeitraum beruhigt als das Zureden der Mutter – unabhängig davon, in welcher Sprache es erklang.

Eigentlich ist dieses Versuchsergebnis wenig verwunderlich. Denn wenn wir singen, produziert unser Körper stimmungsaufhellende Hormone. Zugleich wird das Stresshormon Cortisol abgebaut. Und wer als Kind einmal die Erfahrung gemacht hat, dass man sich durch Gesang in eine gute Stimmung bringen kann, der hat diese Erfahrung ein Leben lang als Ressource abrufbar.

In unseren Kling-Klong-Kursen erleben wir diese positiven Effekte des gemeinsamen Musikmachens jeden Tag. Einfache Lieder, Rhythmen und Bewegung zu Musik können auch ganz leicht in den (Familien-)Alltag integriert werden und wirken schnell gegen Langeweile oder eine angespannte Stimmung. Auf diese Weise stärkt Musik das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit und damit die Bindung zwischen den Familienmitgliedern.

Darüber hinaus kann musikalische Aktivität bestimmte Entwicklungsprozesse begünstigen. Sie kann zum Beispiel positiv auf Konzentrationsfähigkeit und Selbstregulation wirken.

 

Musik als freudvolle Erfahrung

Um die positiven Effekte der Musik auf die Eltern-Kind Beziehung und für die kindliche Entwicklung zu nutzen, ist es wichtig, dass die Musik in der Familie mit Spaß einhergeht. Stehen Druck und Stress dahinter, zum Beispiel, weil ein Kind zum täglichen Üben eines Instruments gedrängt wird, bleibt das verbindende Element aus. Denn essentiell ist hier nicht zuletzt die positive Zuwendung die mit der Musik einhergeht.

Musik kann
• entspannen
• stabilisieren
• beim Einschlafen helfen
• zu ruhiger und regelmäßiger Atmung verhelfen
• eine bessere (Selbst-)Wahrnehmung bewirken
• beim in Kontakt treten helfen

Fazit

Musik macht nicht nur Spaß, sie ist auch eine große Bereicherung und kann beim Bindungsaufbau und erlernen der Selbstregulation unterstützend wirken. Wie man ganz leicht und quasi nebenbei mehr Musik in den Familienalltag integriert, dafür habe ich einem der kommenden Blogposts ein paar Tipps parat.

2021-05-31T08:51:01+00:00Mai 31st, 2021|

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