9 Übungstipps zur Überwindung von Lernplateaus

Latest Posts  •   7. November 2016

Sie kennen es bestimmt auch, dieses Gefühl, wenn es mit dem Lernen einfach nicht mehr klappen will. Wenn, egal wie sehr Sie sich bemühen, nichts mehr läuft.

Vielleicht haben Sie mit einer neuen Sportart begonnen oder ein neues Instrument erlernt. Häufig ist es dann so, dass wir – nach einer kurzen Anfangsphase, in der wir zunächst noch nichts verstehen – schnell sehr gute Fortschritte machen. Wir sind so richtig “im Thema drin”, haben Spaß und sind hoch motiviert. Und dann, wenn es gerade so schön läuft, stagniert es plötzlich schon wieder und wir machen keine weiteren Fortschritte mehr. Wir stecken fest.

In der Lernpsychologie spricht man hier von einem Lernplateau. Wenn man in einem Lernplateau feststeckt, kann man sich noch so anstrengen – für eine Weile geht es einfach nicht weiter voran. Fast alle (Profi-) Musiker kennen Lernplateaus. Auch im Beruf, beim Erlernen einer neuen Sprache oder bei einer neuen Diät, können wir uns auf einen derartigen “Lernstillstand” gefasst machen.

Das Gute daran: Lernplateaus sind normal. Sie sind sogar ein gutes Zeichen.

Ein Lernplateau bedeutet nämlich, dass unser Gehirn damit beschäftigt ist, den Lernstoff zu verarbeiten und aus den bisherigen Einzelelementen Blöcke zu bilden. Das Gehirn versucht, Muster und Strukturen im neu Erlernten zu erkennen und diese so abzuspeichern, dass es problemlos darauf zugreifen kann. Und obwohl sich ein Lernplateau nicht gewaltsam durchbrechen lässt, kann man diese Phasen nutzen, um Dinge einmal anders anzugehen. Das hilft auch mit der Motivation!

Für Musiker habe ich dazu eine Liste mit 9 Übungstipps zusammengestellt. Doch vorher möchte ich kurz einen weiteren Aspekt von Lernplateaus erörtern.

In der Wissenschaft beschäftigt man sich schon seit Jahrzehnten mit Lernplateaus. So haben z.B. in den 60er Jahren die Psychologen Paul Fitts und Michael Posner beobachtet, dass das Erlernen von neuen Fähigkeiten immer in drei Phasen verläuft:

In der ersten Phase, der kognitiven Phase, konzentrieren wir uns voll auf das gegenwärtige Tun. Wir probieren aus, wie wir uns verbessern können und sind bereit, dabei auch Fehler zu machen.

In der zweiten Phase, der assoziativen Phase, sind wir schon besser und machen bereits weniger Fehler. Es geht Schritt für Schritt voran.

Und dann, in der dritten Phase, der automatisierten Phase, werden wir so gut, dass wir auf Autopilot umschalten. Wir müssen nicht mehr über das neu Erlernte nachdenken und können es automatisch ausführen. Wir sind in unserer Komfortzone angekommen.

Unser Gehirn hält sich unheimlich gerne in der Komfortzone auf. Hier können wir Autofahren ohne darüber nachzudenken und auch beim Zähneputzen völlig abschalten. Aber beim Lernen von neuen Dingen wird die Komfortzone zum Problem. Auf Autopilot können wir uns nicht verbessern, Komfortzonen führen zu Lernplateaus. Klar macht es Spaß, als Musiker die Lieder zu spielen, die wir bereits gut können. Und dass soll es ja auch! Aber um besser zu werden, müssen wir auch an den Dingen arbeiten, die schwierig sind und die uns noch Probleme bereiten. Wir müssen uns aus unserer Komfortzone herauswagen.

Dr. K Anders Ericsson, Professor für Psychologie an der Florida State Universität und Co-Autor des “The Cambridge Handbook of Expertise and Expert Performance” hat den Zusammenhang von Lernplateaus und Komfortzonen genauer untersuchtSeine Studien haben ergeben, dass wir Lernplateaus nur außerhalb unserer Komfortzone überwinden können.

Wer dazulernen möchte, muss sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Auch wenn das mühsam ist und sich nicht unbedingt gut anfühlt. Motivation und ein klarer Fokus auf das Ziel sind gefordert. Vielen unserer Schüler hilft es bereits, wenn sie das Phänomen von Lernplateaus theoretisch kennengelernt und verstanden haben.

Die folgenden Übungstipps können Ihnen dabei helfen, Ihre Komfortzone zu erweitern:

  • Verlangsamen Sie Ihr Tempo. Spielen Sie so langsam, dass vorher unbemerkte Fehler zum Vorschein kommen.

  • Steigern Sie Ihr Tempo. Spielen Sie schneller als gewöhnlich.

  • Messen Sie, wie lange es dauert ein Stück zu spielen. Machen Sie Ihr eigenes Notenlesen-Wettrennen.

  • Kramen Sie ältere Stücke hervor.

  • Lernen Sie alles auswendig.

  • Üben Sie draussen, in einer neuen Umgebung.

  • Üben Sie zu einer anderen Tageszeit.

  • Besuchen Sie ein Konzert. Lassen Sie sich von Livemusik inspirieren.

  • Lesen Sie die Biografie Ihres Lieblingsmusikers. Motivieren Sie sich mit etwas, was nicht mit Musik spielen zu tun hat.

Was ist Ihre Erfahrung mit Lernplateaus? Wie motivieren Sie sich, wenn’s mal nicht weitergeht?

2020-04-24T07:17:43+00:00November 7th, 2016|

Hinterlasse einen Kommentar