Kindern richtig zuhören

Latest Posts • 17. Mai 2021

Während es zahlreiche Seminare gibt, in denen wir lernen, gute Redner zu werden, geschickt und überzeugend zu argumentieren oder Konflikte verbal zu lösen, findet man kaum einen Coach, der einem das richtige Zuhören beibringt. Und die meisten Eltern machen sich zwar Gedanken darüber, wie sie mit ihren Kindern reden (wollen), aber kaum welche darüber, wie sie ihren Kindern zuhören. Und damit vergessen wir allzu oft, den Kindern das zu geben, was wir selbstverständlich von ihnen einfordern: “Hör mir zu.” Denn eigentlich wissen wir, dass man ein noch so toller Redner sein kann, ohne Zuhören wird es keine gelungene Kommunikation, kein Verständnis und keine Verständigung geben.

 

Aktives Zuhören

Wer seinem Gegenüber aufmerksam und bewusst zuhört, signalisiert damit Wertschätzung.

Das aufmerksame, “aktive” Zuhören ist für ein konstruktives Gespräch mit unseren Kindern und für ihre gesunde Entwicklung genauso wichtig wie verständliches Reden.

Der Begriff des aktiven Zuhörens geht auf den US-amerikanischen Psychotherapeuten Carl R. Rogers zurück. Er beschrieb es zunächst als Werkzeug für die Gesprächspsychotherapie. Aktives Zuhören meint die gefühlsbetonte Reaktion des Zuhörenden auf die Botschaft des Sprechers.

 

Hören tun wir ohne großes Zutun. Wir hören quasi automatisch. So entgeht es uns natürlich nicht, dass unser Kind uns gerade etwas erzählt, aber WAS es uns erzählt, bekommen wir im Alltag oft nur mit halbem Ohr mit. Natürlich können wir uns mit unserem Kind unterhalten, während wir nebenher die Wäsche sortieren und wir lassen uns ja auch nur ungern stören, bei dem, was wir gerade tun oder wir legen uns schon in Gedanken unsere Antwort zurecht, während unser Gegenüber noch spricht. Wir können hinhören, ohne aktiv zuzuhören. Wir können auf Gesagtes reagieren, ohne innerlich wirklich beteiligt zu sein. Dabei entgehen uns jedoch wichtige Zwischentöne. Natürlich geht es nicht immer, aber es lohnt sich, möglichst oft, dem Kind aktiv zuzuhören und uns damit in unser Kind hineinzuversetzen, echtes Interesse zu zeigen, ohne Gesagtes zu bewerten. Das Kind macht dabei die Erfahrung, ernst genommen zu werden, tatsächlich etwas zu sagen zu haben. Und Eltern tun sich mit häufigem aktiven Zuhören selbst einen Gefallen. Nicht nur, dass wir unser Kind durch aktives Zuhören besser kennenlernen und ihm Selbstvertrauen schenken, nicht zuletzt haben wir auch in unserer Art zuzuhören eine Vorbildfunktion.

Das heißt ganz konkret: Wenn ich will, dass mein Kind mir zuhört und meine Worte ernst nimmt, muss ich ihm diese Wertschätzung zuerst entgegenbringen. Ich muss ihm vorleben, ein guter Zuhörer zu sein.


Zuhören, nicht verhören

Es gibt natürlich auch Situationen, da verschließt sich das Kind den Eltern und möchte gar nicht mehr reden. Dies kann – nicht zuletzt abhängig vom Alter – unterschiedliche Ursachen haben. Jüngere Kinder verschließen sich oft aus Angst vor Strafen. Ein älteres Kind aus der Erfahrung heraus, dass seine Argumente oder seine Meinung nicht beachtet, sein Widerstand nicht geduldet wird. Oder das Kind weiß einfach nicht, wie es sich ausdrücken, sein Problem in Worte fassen soll.

Wer zu stark versucht, ein verschlossenes Kind zum Reden zu bewegen, es einem regelrechten Verhör unterzieht, wird wenig erreichen. Das Kind übt sich nur noch mehr in “trotzigem” Schweigen oder gibt die Antwort, von der es meint, dass die Erwachsenen sie hören wollen. Doch Zuhören kann hier im Gegensatz zum Verhören Wunder wirken. Dabei kann es ratsam sein, das Schweigen des Kindes zunächst zu akzeptieren und zu einem späteren Zeitpunkt das Konfliktthema in einem konstruktiven Gespräch noch einmal aufzugreifen. Sprich: keine Vorwürfe, sondern interessiertes Nachfragen und aktives Zuhören.

 

Fazit

Richtig gutes Zuhören lohnt sich. Es macht sich gleich doppelt bezahlt: für uns und unsere Kinder. Und zum Glück können wir nicht nur lernen eloquente Redner, sondern auch gute Zuhörer zu werden.

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2021-05-17T11:21:21+00:00Mai 17th, 2021|

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