Darum ist Gruppenunterricht
so effektiv

Latest Posts  •  26. Januar 2021

Musik stiftet Gemeinschaft. Das merkt man nicht nur, wenn man schon einmal die Fangesänge im Stadion mitgesungen hat. Mit Musik können Menschen gemeinsam Gefühle ausdrücken oder auch erzeugen. Es wird angenommen, dass dies sogar ein Ursprung der Musik ist, dass sie als Mittel zur Bindung zwischen den Mitgliedern einer Gruppe entstand. Und das zu einer Zeit, in der unsere Vorfahren in kleinen Gemeinschaften zusammen lebten und ihr Überleben von einer engen und verlässlichen Bindung zwischen den Gruppenmitgliedern lebenswichtig waren. Man könnte also sagen, Gruppenunterricht ist die ursprünglichste Form des Musikmachens. Dennoch wird diese Form des Musikunterrichts häufig unterschätzt. Zu unrecht. Denn Gruppenunterricht kann besonders effektiv sein.

Miteinander und voneinander lernen

Gruppenunterricht wird oft noch immer als “minderwertige” Unterrichtsform angesehen. Dabei ist Gruppenunterricht für viele Menschen die beste Form des Lernen. Manch einer denkt, dass im Gruppenunterricht der Lehrer weniger Zeit für den einzelnen Schüler hat und dass deshalb der ein oder andere zu kurz kommt. Doch wer so denkt, übersieht, dass man im Gruppenunterricht nicht nur vom Lehrer lernt, sondern auch von seinen Mitschülern.

Kinder sind die Spiegel ihres Umfelds.

H.P. Becker, ‘Was Eltern über die Entwicklung ihres Kindes lernen sollten’

Menschen verfügen über sogenannte Spiegelneuronen. Dies sind Nervenverbindungen im Gehirn, die aktiviert werden, sobald wir jemanden bei einer Handlung beobachten. Die Spiegelneuronen sind dafür verantwortlich, dass wir besonders gut lernen, wenn wir anderen zusehen dürfen. Lernen durch Beobachtung ist ein Lernweg, den die Menschen seit Tausenden von Generationen genutzt haben, der aber mehr und mehr verschwunden ist. Heute kennen wir eher das Modell, bei dem ein Lehrer einmal zeigt, wie etwas geht und wir sollen es nachmachen. Wenn es nicht gleich klappt, sollen wir eben üben, üben, üben. Dabei lernen wir umso besser, je länger oder häufiger wir eine Tätigkeit beobachten können. Der Gruppenunterricht punktet hier durch den Vorteil, dass die Schüler nicht nur den Lehrer, sondern auch die Mitlernenden dabei beobachten können, wie sie zum Beispiel ein neu gelerntes Stück spielen.

Gruppenunterricht ist nicht nur ein miteinander lernen, sondern auch ein voneinander lernen. 

Die Schüler inspirieren sich im Gruppenunterricht gegenseitig. Und das gilt nicht nur für die Ausführung bestimmter Bewegungsabläufe beim Musik machen.

Was sind Spiegelneuronen?

Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die durch Ausführung und Beobachtung von Bewegungen aktiviert werden. Sie stehen in Zusammenhang mit empathischem, sozialem und imitierendem Verhalten und stellen damit ein grundlegendes Werkzeug für unser Lernen dar.

Motivation ist ansteckend

Jeder kennt den Spruch “Lachen ist ansteckend”. Auch das hat mit den Spiegelneuronen zu tun. Lachen kann allein dadurch ausgelöst werden, dass wir andere Menschen Lachen sehen oder hören. Die Spiegelneuronen haben nicht nur einen Einfluss auf das Lernen von Handlungen, sondern auch auf unsere Gefühlsebene. Wir erleben, was andere fühlen, in einer Art inneren Simulation und dies führt häufig zu einer Art “emotionaler Ansteckung”, zur tatsächlich gefühlten Nachahmung von Gefühlen. So ist auch Motivation “ansteckend”. Wer mit anderen motivierten Menschen gemeinsam lernt, wird zu besseren Leistungen angespornt. Ein Gruppenunterricht in einer gelösten und guten Atmosphäre bringt nicht einfach nur Spaß, sondern echte Lernerfolge. 

Das Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt. Wir spiegeln auch “negative” Gefühle wie Ärger oder Missgunst. Und wir können uns natürlich auch weigern, Gefühle zu spiegeln, wenn wir nicht offen genug sind oder uns andere starke Gefühle blockieren.

Darum ist es enorm wichtig, dass ein guter Gruppenunterricht bei einem Lehrer stattfindet, der sich der Wirkung seines Verhaltens und des Verhaltens einzelner Schüler auf die gesamte Gruppe bewusst ist und der weiß, wie man gezielt eine gute Lernatmosphäre schafft. 

Das ist einer der Gründe, warum wir bei unseren Musiktrainern nicht nur Wert auf fachliche Kompetenzen legen, sondern in unserer Trainerausbildung auch einen Fokus auf die Ausbildung der sozialen Kompetenzen setzen.

 

Fazit

Gruppenunterricht kann nicht nur besonders viel Spaß machen. Mit dem richtig ausgebildeten Lehrer kommt keiner zu kurz, sondern im Gegenteil, die Schüler befeuern sich gegenseitig und lernen nicht nur vom Lehrer, sondern auch voneinander.

Quellen / zum Weiterlesen: 

Vera Birkenbihl: Eltern-Nachhilfe. riva verlag. 

Hans Peter Becker: Was Eltern über die Entwicklung ihres Kindes lernen sollten. Modu Publishing.

2021-01-26T15:23:56+00:00Januar 26th, 2021|

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