3 Tipps für mehr Musik im (Familien-)Alltag

Latest Posts • 29. Mai 2021

Es gibt einen Grund, warum viele Musikerbiographien mit Sätzen wie “Die Musik war mir in die Wiege gelegt. Ich wuchs in einer musikalischen Familie auf” beginnen. Wer früh und selbstverständlich mit Musik in Berührung kommt, wird kaum falschen Glaubenssätzen wie “ich bin unmusikalisch” unterliegen. Stattdessen lernt er, dass Musikalität etwas Natürliches ist, etwas, das wir nicht explizit lernen müssen. Musikalität ist in uns und entfaltet sich, wenn wir nur genug Berührung mit ihr haben. Mit der Musikalität ist es wie mit der ersten Sprache, die wir sprechen. Niemand kommt auf die Idee, einem Kleinkind die Grammatik seiner Muttersprache zu erklären oder es Wörter auswendig lernen zu lassen. Die Sprachfähigkeit entwickelt sich. Und gleiches gilt für Musikalität. Ich werde häufig von Eltern gefragt, wie sie diese Entwicklung unterstützen und mehr Musik in den Alltag integrieren können. Dafür habe ich drei ganz einfache Tipps.

1. Nur keine Hemmungen!

Kinder kennen keine Angst vor Fehlern. Eltern sollten sich das vor allem in musikalischer Hinsicht zum Vorbild nehmen. Viele Eltern trauen sich nicht, mit ihren Kindern zu singen, weil sie glauben, sie sängen schief und würden keinen Ton treffen. Erstens ist dies eine Frage der Übung und zweitens für das Singen mit den Kindern vollkommen egal. Ein Kind liebt es, wenn die Eltern mit ihm oder für es singen, ganz egal ob nicht jeder Ton perfekt sitzt. Das Tolle am Singen ist: man kann es immer und überall machen, beim Baden, zum Einschlafen oder bei der langen Autofahrt…

Immer dran denken: Wer nicht bereit ist, Fehler zu machen, kann auch nichts Neues lernen.

Außerdem muss man davon Abstand nehmen, sich mit den Besten zu vergleichen. Wenn man jemanden fragt, ob er laufen kann, sagen die meisten “ja” und tun es einfach, da sie sich nicht mit Usain Bolt vergleichen. Geht es ums Singen oder Musikmachen, haben die meisten Menschen sofort ihre liebsten Musiker im Ohr und diesem Vergleich kann man natürlich nicht standhalten.

 

2. Kein Lärm, Rhythmus!

Keine Angst vor lauten Tönen. Gerade für die musikalische Förderung kleiner Kinder ist es toll, wenn sie “Krachmacher” wie Trommeln, Klanghölzer und Rasseln frei entdecken können. Diese können auch gerne in der Wohnung verteilt herumliegen. Früher oder später werden die Kinder die Instrumente entdecken und erforschen. Natürlich kann man auch Kochtöpfe und Holzlöffel umfunktionieren oder austesten, was für ein Geräusch ein umgedrehter Papierkorb, oder Papier beim Zerknüllen hervorbringt… Wichtig ist hierbei vor allem das freie Spielen, denn vor allem hier haben die Kinder die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren. Für das spielerische Lernen ist das freie Spiel unerlässlich. Daher ist es zum Beispiel auch ein wichtiger Bestandteil unseres Kling-Klong-Konzepts und wir sehen hier täglich, wie toll die Kinder ihre Musikalität dabei entwickeln.

Viele Instrumente, die besonders für Kleinkinder geeignet sind, kann man sogar gemeinsam ganz einfach selber bauen. Eine Rassel aus Reiskörnern und einer bunt bemalten Klopapierrolle, selbst geschnitzte Klanghölzer… Auf diese Weise bekommen Kinder noch einmal einen ganz anderen Zugang zu den Instrumenten und den Klängen.

 

3. Musik erfahren

Instrumente ausprobieren, Instrumente basteln – Musik kann man auf so viele unterschiedliche Weisen erfahren und mit allen Sinnen erleben. So gehören auch Musik und Bewegung zusammen. Und dem sollte man im Alltag zusammen mit Kindern ruhig häufiger nachgeben. Neben gezielten Musikspielen kann man auch einfach einmal den Lieblingssong laut aufdrehen und jeder bewegt sich dazu, wie es ihm gefällt – das funktioniert sogar neben dem Kochen oder Wäsche aufhängen. Zum Erfahren von Musik gehört auch, unterschiedliche Musikrichtungen kennenzulernen. Wer immer “nur” Klassik oder immer “nur” dieselbe Rockband laufen lässt, verzichtet auf die Vielfalt, die Musik bietet. Mal etwas ganz Ruhiges hören, mal etwas Wildes, mal Naturklänge, mal Jazz, mal Soul, mal Salsa. Auf diese Weise lassen sich auch die Emotionen, die Musik transportiert und die unterschiedlichen Stimmungen, die sie in uns auslöst, erleben. Wichtig ist dabei auch das Interesse an der Musik und das genaue Hinhören. Schon mit jüngeren Kindern kann man sich übrigens hervorragend über Musik unterhalten. Man muss nur die richtigen Fragen stellen. Warum gefällt dir dieses Lied so gut? Warum gefällt es dir nicht? Welche Stelle magst du besonders? Hörst du ein bestimmtes Instrument heraus? Was fühlst du, wenn du diesen Song hörst?

“Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“
(Victor Hugo).

Musikhören und zwar im Sinne von wirklichem Zuhören ist wichtig und gemeinsames Musikhören verbindet. Babys im Mutterleib können übrigens ab etwa der 16. Schwangerschaftswoche Musik wahrnehmen. Und: Sie reagieren auf die Klänge! Forscher beobachteten, wie Föten den Mund öffneten und die Zunge herausstrecken, wenn sie ihnen eine Flötensonate vorspielten. Es wird vermutet, dass dies mit der Stimulation von Sprachschaltkreisen im Gehirn zusammenhängt. Ein spannendes Thema, mit dem ich mich auch für mein Buch Was Eltern über die Entwicklung ihres Kindes lernen sollten beschäftigt habe.

Fazit

Mehr Musik im Alltag ist eigentlich ganz leicht zu bewerkstelligen. Und sowohl die Kinder als auch das Familienleben profitieren davon – nicht nur in musikalischer Hinsicht. Denn das gemeinsame Interesse für die Musik wirkt sich auch positiv auf die Beziehungen innerhalb der Familie, die Wertschätzung und das Miteinander aus. Und wenn das Kind im richtigen Alter ist, um ein Instrument zu erlernen, ist meist die nächste Frage, wie das Spielerische beibehalten werden kann und das Kind gerne übt. Darum soll es dann in einem meiner nächsten Blogposts gehen.

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2021-06-29T14:59:45+00:00Juni 29th, 2021|

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